Herbstfest der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal
15. Oktober 2026Das aktuelle Jahr ist bisher extrem trocken und niederschlagsarm. In Deutsch-Wagram haben wir aktuell einen Jahresniederschlag von 236 mm, auf einen durchschnittlichen Jahresniederschlag fehlen 220mm!
Die Anlagen des Systems und die gesicherte Wasserversorgung durch den Marchfeldkanal ist gerade in solchen Jahren eine wertvolle und verlässliche Wasserversorgung für unsere Region. Im Rahmen des Herbstfestes der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal die Funktionen und Nutzer des Systems aufgezeigt.
Zahlreiche Ehrengäste folgten der Einladung und tauschten sich untereinander aus. Mit der Landwirtschaft ist die Betriebsgesellschaft seit Anfang an intensiv verbunden und so waren unter den Ehrengästen auch der Vizepräsident der NÖ Landwirtschaftskammer Lorenz Mayr sowie der Obmann der BBK Gänserndorf Georg Maier und auch der Direktor der Landwirtschaftlichen Fachschule Obersiebenbrunn Arno Kastelliz. Auch aus vielen anderen Bereichen, Bezirksstelle der WKÖ in Gänserndorf, Universitäten, Wasserverbände, Behörden und Partnerorganisationen waren viele Teilnehmer anwesend. Besonders wichtig ist das Marchfeldkanalsystem aber auch für die Gemeinden und so waren auch zahlreiche Bürgermeister aus der ganzen Region vertreten.

Einleitend begrüßte der Bürgermeister aus Aderklaa und Vorsitzende des Kuratoriums der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal Bernhard Wolfram die Festgäste. Er verwies auf die aktuelle Dürreperiode und die schwierige Situation für die Landwirtschaft. „Gerade hierfür sind nachhaltige Wasserversorgungssysteme, wie der Marchfeldkanal, für unsere Region, für die Landwirtschaft essentiell“ betonte Wolfram und gratulierte gleichzeitig Franz Steiner zur einstimmigen Wiederwahl als Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft.

Zielsetzungen des Marchfeldkanalsystems
Geschäftsführer Steiner führte dann in seiner Präsentation durch die Zielsetzungen des Marchfeldkanalsystems und strich die Bedeutung des multifunktionalen Projekts hervor. Das Marchfeldkanalsystem besteht aus folgenden Gewässern: 19 km Marchfeldkanal, 41 km Russbach, 6 km Obersiebenbrunnerkanal und 25 km Stempfelbach. Der Startschuss für die Planung fiel im Jahr 1983 und bereits 1986 begannen die Bauarbeiten mit dem ersten Meilenstein, der Erstflutung im Jahr 1992.

Die wasserwirtschaftlichen Aufgaben umfassen folgenden Aspekte:
Gesicherte Wasserversorgung für die Region
Dies vor allem Dank dem Rückstau vom Kraftwerk Freudenau. Nutzer davon sind unter anderem die Gemeinden, die in Form von 11 Kläranlagen ihre gereinigten Abwässer in das Marchfeldkanalsystem einleiten. Ohne das Marchfeldkanalsystem wäre der Russbach und Stempfelbach dieses Jahr trocken.
Sicherung des Grundwasserkörpers
Der größte zusammenhängende Grundwasserkörper unter dem Marchfeld ist für die landwirtschaftliche Bewässerung gewidmet. Um diesen Grundwasserkörper abzusichern, bestehen drei Grundwasseranreicherungsanlagen. Die Funktionsweise und auch deren qualitative Wirkung wurden vorgestellt.
Direktentnahme aus dem Gewässersystem
Rund 1.300 Hektar werden direkt aus dem Marchfeldkanalsystem bewässert. Diese Nutzung hat wirtschaftliche Vorteile für die Entnehmer und schont gleichzeitig den Grundwasserkörper.
Verbesserter Hochwasserschutz
Durch den Ausbau und die Steuermöglichkeit des Systems konnte die Hochwassergefahr weitgehend gebannt werden. So gab es etwa, während des Extremniederschlagsereignisses im September 2024 keine Schäden im Marchfeldkanalsystem.
Daneben ist von großer Bedeutung die Freizeit- und Naherholung. In der schnell wachsenden Region zwischen Wien und Bratislava ist ein barrierefreier, ökologischer Naherholungsraum von großer Bedeutung. Genutzt wird das auch durch das eigenen Naturbildungsprogramm der Bachpaten und auch durch viele Sportveranstaltungen wie den Marchfeldkanallauf. Damit die Nutzung der rund 150 km Wege auch problemlos funktioniert wurde ein neuer Traktor und ein Wegepflegegerät beschafft um zukünftig die Wege in besserem und effizienter zu pflegen. Das Gerät samt Traktor wurde vorgestellt und zog viele interessierte Blicke auf sich.

Auf eine naturnahe Gestaltung wurde von Anfang an großes Gewicht gelegt. So ist der Marchfeldkanal eines der Fischreichsten Fließgewässer Österreichs mit einer Fischbiomasse von 1.000 kg/Hektar! Auch weiterhin übernimmt die Betriebsgesellschaft für den Lebensraum Verantwortung und entfernt auch gezielt Neophyten, wie im Rahmen eines von der IUCN geförderten Projekts einen Bambusbestand auf rund 2.000m².

Anwesend war auch der ehemalige Bürgermeister aus Deutsch-Wagram und ehem. Vorsitzender des Kuratoriums Fritz Quirgst, der eine Mappe mit Aufnahmen aus der Errichtung des Marchfeldkanals mithatte, die für interessierte Blicke sorgte. Die Errichtung des Systems liegt mittlerweile genau 40 Jahre zurück.
Für die kulinarische Versorgung sorgte ein Catering von der Fleiserei Wild und Wein vom Bio-Weingut Staringer.
Die Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmern des Herbstfests!