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Pflege

Jeder menschliche Eingriff in ein Ökosystem zieht eine ganze Kette von Folgen nach sich, die in Hinsicht auf das erwünschte Ziel genau bedacht werden müssen.

Die Freiflächen am Marchfeldkanalsystem sollen ästhetischen Anforderungen von AnrainerInnen und BesucherInnen gerecht werden, dabei allen Sicherheitsbestimmungen entsprechen und dennoch im gegebenen Rahmen Raum für eine möglichst ungestörte Entfaltung von Flora und Fauna bieten.

Pflegemaßnahmen unter Berücksichtigung des Landschaftsbildes und der Entwicklung von Pflanzen- und Tierwelt

Vegetation

Pflegemaßnahmen sind zum Erhalt einiger Vegetationstypen unbedingt notwendig. Dies trifft am Marchfeldkanal vor allem auf die trockenen Wiesenflächen zu. Würde man diese Bereiche nie mähen käme es allmählich zu einer Verbrachung mit den schon in den vorangegangenen Kapiteln beschrieben Veränderungen im Pflanzenbestand. Bei der Auswahl des Mahdzeitpunktes sollte allerdings darauf geachtet werden, dass die Pflanzen bereits ausgesamt haben, bevor der Schnitt erfolgt, um den dauerhaften Fortbestand der Arten zu gewährleisten. Eine einmaljährliche späte Mahd ab Ende August wäre Vorteil – um Nährstoffanreicherung auf der Fläche zu verhindern, muss das Schnittgut unbedingt entfernt werden.

Auf den Gehölzflächen trägt ein von Zeit zu Zeit durchgeführter Rückschnitt zur Verjüngung des Bestands bei. Besonders im Bereich der Gehölzsäume entlang des Ufers ist diese Maßnahme notwendig, um die Elastizität der Gehölze zu erhalten und das vorgeschriebene Abflussprofil zu gewährleisten.

In Grenzbereichen von Gehölzbeständen zu gehölzfreien Flächen wird nicht regelmäßig gemäht. So entsteht ein artenreicher Übergang zwischen den unterschiedlichen Habitaten. Um sukzessive Einwanderung von Gehölzen in Freiflächen hintanzuhalten, muss der Gehölzanflug ab und zu entfernt werden.

Fauna

Mahd und Gehölzrückschnitt sollten jeweils nur kleinflächig durchgeführt werden um ein Ausweichen der Tiere in die benachbarten Flächen zu ermöglichen. Sowohl zum Zeitpunkt der Pflegemaßnahmen selbst als auch in der Zeit danach müssen in der näheren Umgebung ausreichend Versteckmöglichkeiten und Nahrungsgründe vorhanden sein. In die Überlegungen können auch Beschaffenheit und Zustand der Anrainergrundstücke miteinbezogen wer-den. Beispielsweise gibt eine angrenzende Brache oder ein Gehölzbestand größere Freiheiten für die Pflege, während an Felder grenzende Bereiche zur Erntezeit nicht gemäht oder zurückgeschnitten werden sollten.

Gehölzrückschnitte erfolgen grundsätzlich außerhalb der Hauptbrutzeit der Vögel.

Die günstigste Zeit für die Mahd von Wiesen liegt zwischen August und Oktober. Dann sind die meisten Samen der Wiesenpflanzen ausgereift und können von Tieren noch genutzt werden. Zudem liegt die Hauptentwicklungszeit der Insekten und, wie erwähnt, die Brutzeit der Vögel, vor diesem Zeitraum. Das ist von großer Bedeutung, denn Jungvögel sind durchwegs von einer guten Versorgung mit Insektennahrung abhängig.

Abgestorbene Bäume und Sträucher werden von einer Vielzahl an holzfressenden Tieren als Nahrungsgrundlage und von Vögeln als Ansitz für die Insektenjagd genutzt. Zu Boden gefallenes Totholz dient besonders über den Winter als Versteck für Amphibien, Reptilien und Kleinsäugern. Auch im Wasser ist Totholz als strukturgebendes Element sowie als Unterstand für Fische von Bedeutung. Abgestorbene Gehölzteile werden daher möglichst an Ort und Stelle belassen.

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